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Forschungsstelle Deutscher Orden

Erfolgreiche Tagung der Forschungsstelle

19.07.2018

Die Forschungsstelle Deutscher Orden hat am 11. Juli ihre Ausstellung „Ein Orden in der Defensive – Das Konzil von Konstanz, der Deutsche Orden, Polen-Litauen und das Reich“ in Bad Mergentheim eröffnet und anschließend eine gut besuchte Tagung abgehalten.

Zur Eröffnung sprach Herr Prof. Dr. Radziminski von der Universität Thorn über die allgemeine Disposition des Ordens zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Seine Ausführungen zeigten, dass sich der Orden vielfach in der Krise befand. Ideologisch stand ihm die Christianisierung Litauens in der Union von Krewo 1385 entgegen, die ihm die Legitimation seiner Kreuzzugsidee raubte. Durch das genannte Bündnis Polen-Litauens und die Opposition der Kalmarer Union im Norden fand er sich auch politisch bedrängt. Nicht zuletzt begannen auch die preußischen Stände verstärkt um ihre Mitspracherechte zu kämpfen. Zudem versagten die Balleien im Reich zunehmend dem Hochmeister die Gefolgschaft. Die Schlacht von Tannenberg von 1410 war schlussendlich der militärische Paukenschlag, der den Kontrollverlust des Ordens in Preußen deutlich machte.

Auf die Ausstellungseröffnung folgte am Donnerstag, 12. Juli, die Tagung „Der Deutsche Orden und das Konzil von Konstanz“. In mehreren Vorträgen wurden unterschiedliche Aspekte der Deutschordensdiplomatie auf dem Konzil beleuchtet. Den Anfang machte Dr. Paul Srodecki von der Universität Kiel, der die Doppelgesichtigkeit der Bündnispartner des Deutschen Ordens aufzeigte. Noch am Vorabend der Schlacht von Tannenberg sprachen sich sowohl der Römische Kaiser Sigismund als auch die Reichsfürsten für den Deutschen Orden aus. Abgesehen von wörtlichen und schriftlichen Äußerungen rangen sie sich jedoch nicht zu einer aktiven Unterstützung des von ihnen betitelten „Schilds der Christenheit“ durch. Auch der auf dem Konzil gewählte Papst Martin V. konnte eine Verrechtlichung des Konflikts zwischen dem Deutschen Orden und Polen Litauen nicht durchsetzen. Politisch isoliert und militärisch geschwächt musste der Orden daher in eine zweite Phase des Kriegs (1418-1422) eintreten. Der Frieden von Melnosee (1422) zeigt, dass der Orden sowohl im Kriegsgeschehen als auch in der Diplomatie auf sich allein gestellt war, seine politische Bedeutung schwand.

Die diplomatische Krise des Deutschen Ordens zeigte sich auch am fehlenden Einsatz hochrangiger Ordensmitglieder. Herr Professor Bernhart Jähnig (Friedrich-Meinecke-Institut, Berlin) berichtete über den Einsatz des aus Franken stammenden Johannes von Wallenrode, des späteren Erzbischofs von Riga und offiziellem Gesandten des Deutschen Ordens auf dem Konzil von Konstanz. Während der Erzbischof sich eifrig für die Belange der Kirche einsetzte und auch weitreichende Anerkennung fand, war eine signifikante Beteiligung an der diplomatischen Lösung des Konflikts zwischen dem Deutschen Orden und Polen-Litauen nicht erkennbar. Herrn Jähnigs Beschreibung des Erzbischofs machte deutlich, dass dieser weniger am Erhalt des Ordens interessiert war als an der Fortführung seiner Karriere auf verschiedenen Bischofsstühlen.

Nach einer Mittagspause führte Herr Mats Homan von der Universität Hamburg die Tagungsteilnehmer in die Briefe des Hochmeisters und des Generalprokurators ein. Der Generalprokurator Peter von Wormditt zeichnete gegenüber seinem Hochmeister ein düsteres Bild der Konzilsgesandtschaft des Deutschen Ordens. Vielfach beklagte er Geldmangel und ausbleibende Unterstützung durch den Hochmeister. Herr Homan wies dabei darauf hin, dass auch andere Quellen durchaus den Mangel an Verbündeten oder deren Unzufriedenheit mit den Ordensdiplomaten bezeugen. Er lud jedoch auch dazu ein, Peter von Wormditts Äußerungen kritisch zu betrachten, quasi als eine Strategie zur Erlangung größerer finanzieller Freiheiten.

Zuletzt stellte Herr Nicolas Youmans noch sein Postdoc-Projekt (FOVOG Dresden) zu „Seelenheil und Ritterehre: Die Identität des Deutschen Ordens im Spiegel seiner Symbolhandlungen“ vor. Das Ziel seiner Arbeit ist, für den Deutschen Orden charakteristische Aktionen und Rituale zu identifizieren und zuzuordnen. Dabei unterschied er die Symbolhandlungen in drei Kategorien: monastischen Ursprungs, adeligen Ursprungs und Mischformen. Das Tagungspublikum diskutierte sehr interessiert über die Exklusivität von bestimmten Symbolhandlungen. Gerade im Hinblick auf den vorangegangenen Beitrag von Herrn Homan konnte das Projekt mit dem Konzil von Konstanz methodisch in Relation gesetzt werden.

Die Forschungsstelle Deutscher Orden dankt allen Beteiligten für ihre rege Mitwirkung an den Diskussionen und freut sich über die zahlreichen Teilnehmer bei beiden Veranstaltungen.

Die Ausstellung kann noch bis Ende August 2018 im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim besichtigt werden.

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Von Tobias Baus

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