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Forschungsstelle Deutscher Orden

Veröffentlichungen der Forschungsstelle Deutscher Orden

Auf dieser Seite finden Sie Informationen über Veröffentlichungen der Forschungsstelle Deutscher Orden sowie Veröffentlichungen über die Forschungsstelle selbst, oder über mit ihr verbundene Stellen und Einrichtungen.

Helmut Flachenecker (Hrsg.): Ritter, Verwalter und Repräsentanten – Priester und Seelsorger: Burgen, Residenzen und Kirchen des Deutschen Ordens. (Veröffentlichungen der Forschungsstelle Deutscher Orden an der Universität Würzburg, Bd. 1; Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens, Bd. 79). 2016.

 

Salch, Dieter: Die Forschungsstelle des Deutschen Ordens bei der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. (Fachprosaforschung - Grenzüberschreitungen; Band 10; hrsg. Gundolf Keil; Schriftleiter Christoph Weißer) Baden-Baden, 2014. S. 293-298.

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Ergebnisse internationaler Workshop „Siegel des Deutschen Ordens“ (13. bis 15. Oktober 2017)
Siegel in der Vitrine der Forschungsstelle Deutscher Orden.
Siegel in der Vitrine der Forschungsstelle Deutscher Orden.

Vom 13. bis 15. Oktober 2017 fand ein Workshop zum Thema „Siegel des Deutschen Ordens“ statt. Grundlage des Workshops war die im September 2016 erfolgte Schenkung von Siegelabgüssen des Deutschen Ordens durch Herrn Dr. h.c. Hans-Georg Boehm an die Forschungsstelle Deutscher Orden (FDO). Der Workshop vereinte eine kleine, aber engagierte Truppe von Historikerinnen und Historikern aus dem In- und Ausland an der FDO, um über die Problematik eines Siegelcorpus, insbesondere aber über dessen digitale Erschließung zu diskutieren und zu beratschlagen. Neben den im Folgenden genannten Vortragenden waren in beratender Funktion Herr Professor Dr. Toni Diederich und Frau Professor Dr. Andrea Stieldorf (beide Köln) anwesend.

Der wissenschaftliche Austausch begann zunächst mit einer Begrüßung durch den Leiter der Forschungsstelle, Herrn Professor Dr. Helmut Flachenecker. Er richtete seinen besonderen Dank an die anwesenden Gründer und Förderer der Forschungsstelle, Herrn Professor Dr. Dr. h.c. Dieter Salch und Herrn Professor Dr. Dr. h.c. mult. Udo Arnold und selbstverständlich auch an die Universität Würzburg, an welcher die Forschungsstelle beheimatet ist. Kurz wurden die Ziele der FDO, die im Aufbau eines dem Thema entsprechenden Bibliothekszentrums, in Forschung(sinitiativen), Tagungen, Veröffentlichungen und nicht zu vergessen, der universitären Lehre zu sehen sind.

Der Einstieg in die Vortragsreihe erfolgte durch Herrn Professor Dr. Dr. h.c. mult. Udo Arnold, der sich mit dem Thema „Auf dem Weg zu einem Siegelcorpus des Deutschen Ordens beschäftigte. Dabei wurde zunächst auf ein altbekanntes und immer noch weit verbreitetes Problem aufmerksam gemacht. Die Sphragistik, auch als Siegelkunde bekannt, wurde in der Vergangenheit unter den Historikern als eine reine Hilfswissenschaft eher stiefmütterlich behandelt. Verstärkt wurde und wird dieses Phänomen durch den Mangel an ausgebildeten Forschern und Instituten an den Universitäten. Obwohl Siegel, wenn auch in anderem Ausmaß als vor allem im Mittelalter, auch heute noch in Gebrauch sind, wird diese Wissenschaft kaum forciert.

Speziell zu Siegeln des Deutschen Ordens wurde bereits in der Vergangenheit vereinzelt geforscht. Ein Paradebeispiel stellt der Ausstellungskatalog 800 Jahre Deutscher Orden des Germanischen Nationalmuseums (1990) dar. Dabei wurde aber überwiegend der regionale Aspekt betont. Damit einhergehend kann zwar eine Steigerung der Aufmerksamkeit gegenüber der Sphragistik (speziell auch zum OT) festgestellt werden, doch ist eine weitere vertiefte Thematisierung sowohl im Allgemeinen, als auch im Speziellen nicht nur nötig, sondern vor allem geboten.

Die Reihe der Vorträge setzte Professor Dr. Janusz Trupinda (Danzig/Polen) fort, der seine Aufmerksamkeit Siegeln des OT in polnischen Sammlungen widmet. Er betonte vor allem die Relevanz von Siegeln niederer Amtsträger, wobei gerade in polnischen Archiven auf Grund der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs große Verluste hingenommen werden mussten. Ähnlich wie hierzulande, herrscht auch in Polen ein weitverbreiteter Mangel an entsprechender Forschung, wie die bisher kaum beachtete Siegelsammlung Vossberg im Nationalmuseum Breslau aufzeigt. Von diesem Desinteresse betroffen sind ebenso kirchliche Archive. Eine Verknüpfung der entsprechenden Bestände wäre wünschens- und erstrebenswert, wobei hierfür aber zu allererst gemeinsame Richtlinien nötig sind, um eine einheitliche Struktur zu schaffen.

Darauffolgend informierte Dmitrii Baiduzh (Tyumen/Russland) über „Internationale Richtlinien für Siegelcorpora“. Herr Baiduzh arbeitet an einem geschlossenem Siegelcorpus, dessen Aufbau einer heraldischen Datenbank ähnlich ist. Dabei widmet er sich unter anderem der Suche nach gleichen oder nachgeschnittenen Matrizen, wobei sich hier allerdings die Frage der Anwendbarkeit stellt. Eingeschlossen ist beispielsweise der Versuch, eine Traditionsbildung bzw. gewisse Trends herauszuarbeiten. Die Methodik selbst ist dabei noch wenig entwickelt worden. Herr Baiduzh engagiert sich bei der EDV-technischen Erfassung von Siegeln vor allem für möglichst einfach strukturierte Eintragungen.

Einen Einblick in den baltischen Raum gewährte Juhan Kreem, PhD aus Tallinn in Estland, dessen Thema „Zwischen Amtlichem und Persönlichem. Zum Gebrauch von Siegeln des Deutschen Ordens in Livland im 15. und 16. Jahrhundert“ lautete. Einführend erfolgte zunächst eine Methodendiskussion über die Umschreibung von Siegeln und die Relevanz des zugehörigen Typars, die Verlässlichkeit von Siegelrepliken sowie deren Herstellung. Die Entwicklung des Siegels im livländischen Raum vollzog sich vom Amtssiegel zum Privatsiegel, wobei keine lineare Entwicklung festzustellen ist. Überliefert sind auch Fälle, in denen ein Privatsiegel durch einen Amtsnachfolger weiter verwendet wurde. Dies wirft allerdings sogleich die Frage auf, ob es sich hierbei um die sich herauskristallisierende Entwicklung einer Anwendung oder um ein generelles Überlieferungsproblem handelt.

Ähnlich wie in anderen Archiven ist auch in diesem Fall die Aufbewahrung und Nutzbarmachung von Siegeln alleine auf Grund von deren Erhaltungszustand problematisch. Dabei bietet die Digitalisierung etwaiger Bestände große Chancen an, die selbstverständlich unter Kenntlichmachung, die Einbindung von Rekonstruktionen und Abbildungen möglich machen würde. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass eine bessere Darstellung von Relationen möglich wäre.

Den Abschluss des ersten Tages bildete der Vortrag von Herrn Dr. h.c. Hans-Georg Boehm, der über sein Handwerk referierte, mit welchen Methoden er die Abgüsse und Abdrücke erstellte. Dabei konnten interessante Einblicke in seine etwa 50 Jahre andauernde Sammelleidenschaft gewonnen werden. Neben zahlreichen Beispielen von Siegelabgüssen/-abdrücken, zeigte er ebenfalls seine Negativabgussformen und versorgte die Workshopteilnehmer mit Exemplaren seiner selbst erstellten Schriftenreihe „Wissenschaftliche Vereinigung für den Deutschen Orden e.V.“ und „Historische Deutschorden-Compagnie zu Mergentheim 1760 e.V.“, die sich in Teilen mit Siegeln unterschiedlichster Art beschäftigen. Zugleich übergab er der FDO eine weitere Sammlung von Siegeln des Deutschen Ordens zur Erforschung und Digitalisierung. Diese Auswahl stellt eine Leihgabe der Ordensburg-Gilde e. V. Liebstedt dar.

Der zweite Tag des Workshops begann mit einem schwierigen Thema. Professor Dr. Caspar Ehlers vom Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte hatte es sich zur Aufgabe gemacht, einen möglichen Zusammenhang der Themen Siegel, Raum, Rechtsraum darzustellen. Für die Darstellung des Ordens im Raum sei die Erarbeitung eines Gruppenkonzepts nötig, da der OT eine herrschaftsbildende Institution darstellte. Die Verbindung zu Siegeln besteht nun in der Frage, ob Siegel einen Raum reflektieren können. Dazu ist zunächst einmal die Klärung der Frage nach der Bedeutung von Siegeln notwendig, die sich unter anderem in der Verbindung von Individuum und Kollektiv finden lässt.

In diesem Zusammenhang muss aber der Raum-Begriff selbst thematisiert werden. Dazu gehört auch die Beantwortung der Frage, ob sich anhand der Verbreitung von Siegelbildern Räume erschließen lassen können. Zahlreiche weitere Fragen schließen sich in diesem Fall an. Letztendlich hat sich bei der Bearbeitung dieser Thematik gezeigt, dass es ein sehr komplexes Unterfangen darstellt, Siegel mit (Rechts-)Räumen in Verbindung zu bringen.

Anschließend befasste sich der Vortrag von Frau Professor Dr. Maria Magdalena Rückert vom Staatsarchiv Ludwigsburg mit dem Thema „Siegel im Archiv. Die Problematik von Siegelselekten, Siegelarchivierung und deren Konservierung im Landesarchiv Baden-Württemberg“. Sie verwies dabei vor allem auf die Archive Stuttgart und Ludwigsburg, erläuterte die dortigen Bestände und deren Erschließung anhand eines Erfassungsbogens. Langfristig wird in den dortigen Archiven die Digitalisierung und Publikation der Siegelbestände angestrebt, der aktuelle Erschließungsstatus ist bisher noch klein. Auch hier wird eine einheitliche Vorgehensweise als sinnvoll erachtet und angestrebt.

Zum Abschluss der zweitägigen Vortragsreihe stellte Frau Dr. des. Katharina Kemmer den Teilnehmern den Umfang der so genannten „Sammlung Boehm“ vor, sowie die Chancen und Perspektiven, die damit verbunden sind. Die Sammlung umfasst nach bisherigem Stand ca. 1 700 – 1 800 Siegel in Form von Abdrücken, Abgüssen, Fotographien, Negativen und Dias (s/w, bunt). Die geographische Verbreitung der Siegel beschränkt sich dabei nicht alleine auf den fränkischen Raum. Es handelt sich dabei vielmehr um den gesamten durch den Deutschen Orden jemals beherrschten Raum, wodurch die europaweite Ausbreitung des OT noch einmal deutlich wird.

Begleitend zu den Siegeln selbst wurden noch thematisch sortierte Karteikarten überreicht, die bereits in Grundzügen einige Informationen zu den Siegeln enthalten. Trotz dieser bereits rudimentär vorhandenen Daten wurde dennoch deutlich, dass auch in diesem Fall noch sehr viel Arbeit zu leisten sein wird, die über Jahre hinweg andauern wird. Dabei sind vor allem verschiedene Möglichkeiten der Nutzbarmachung für Wissenschaft und Forschung aufzuzeigen und zu diskutieren.

Die den Workshop abschließende Diskussion hat vor allem die Notwendigkeit einer unter Leitung der Forschungsstelle Deutscher Orden organisierten Kooperation unter den einzelnen Teilnehmern deutlich gemacht. Um auf Dauer eine sinnvolle Zusammenarbeit gewährleisten zu können, sei vor allem Eines wichtig: die Einheitlichkeit in der Erfassung und Bearbeitung der Siegel zu gewährleisten. Dies betrifft vor allem die Konzeption einer zugehörigen Datenbank für die spätere Bereitstellung und Nutzbarmachung der Forschungsergebnisse. Eine gute Grundlage für Inhalte einer solchen Datenbank bietet der von Toni Diederich 1987 erschienene Aufsatz „Inventarisierung von Siegelbeständen mit Hilfe der EDV. Informationen und Überlegungen zu einem neuen Projekt“ (in: Der Archivar, Jahrgang 40, 1987, Heft Nr. 3).

Die Forschungsstelle Deutscher Orden dankt allen Teilnehmern des Workshops für deren Erscheinen, Interesse, gehaltenen Vorträge und eingebrachte Ideen und hofft auf eine gute zukünftige Zusammenarbeit, die dann auch über diesen Kreis hinaus weitere Forscherinnen und Forscher auf dem Gebiet der Deutschordenssphragistik zusammen führen möchte!

Forschungsprojekt "Siegel des Deutschen Ordens"
Dr. h.c. Hans-Georg Boehm, Universitätsvizepräsident Prof. Dr. Wolfgang Riedel
Dr. h.c. Hans-Georg Boehm aus Bad Mergentheim überreicht einen Siegel-Korpus des Ordens, Universitätsvizepräsident (bis 30.09.2015) Prof. Dr. Wolfgang Riedel. Foto Marco Bosch, Pressestelle Universität Würzburg

Am 23. und 24. September 2016 fand die Tagung „Der Deutsche Orden – einst und jetzt“ an der Forschungsstelle Deutscher Orden an der Universität Würzburg statt. Im Zuge des damit verbundenen Empfanges von Ordensforschern und Mitgliedern durch den Universitätspräsidenten Professor Dr. Dr. h.c. Alfred Forchel übergab Hans-Georg Boehm aus Bad Mergentheim einen Siegel-Corpus des Deutschen Ordens an die Forschungsstelle.

Dieser Corpus beinhaltet zahlreiche Abbildungen in Form von Fotografien, Dias und Negativen, insgesamt nahezu 1.700 Stück. Den wohl wichtigsten Teil der Sammlung bilden die von Herrn Boehm in jahrzehntelanger Kleinstarbeit zusammen getragenen oder selbst erstellten Siegelabgüsse zusammen mit Karteikarten, auf denen einige, für die einzelnen Siegel relevante Informationen festgehalten wurden.

Der Wert dieser enormen Sammeltätigkeit ist dabei nicht zu unterschätzen, da inzwischen viele der hier vorhandenen Siegel im Original nicht mehr zugänglich sind. Umso wichtiger erscheint es daher, diese Sammlung entsprechend wissenschaftlicher Maßstäbe aufzuarbeiten. Hierzu zählen beispielsweise die Bereitstellung von Daten über den Siegelführer/-inhaber, die Beschreibung des Siegelfeldes, die Siegelumschrift, Verweise auf den Originalabdruck, dessen Fundort und noch vieles mehr.

Um diese Flut von Informationen benutzergerecht aufarbeiten und bereitstellen zu können, ist die entsprechende Erfassung mittels einer eigens hierfür entwickelten Datenbank unerlässlich. Der außergewöhnliche Umfang dieser Siegelsammlung ist aber nicht nur durch die bereits beispielhaft genannten Daten bedingt, auch der geographische Raum, der dadurch umschrieben wird, erfährt eine entsprechende Würdigung. So beziehen sich die Siegel nicht nur auf die Ballei Franken, sondern weit darüber hinaus, beispielsweise auf den Raum Thüringen, Preußen, Böhmen und Mähren im Osten, das heutige Estland und Lettland im Norden, die Balleien Utrecht, Biesen, Lothringen und Elsaß-Burgund im Westen, sowie die Balleien Bozen und Österreich im Süden.

Da die Erfassung und Inventarisierung mit Hilfe der EDV alleine auf Grund des Umfangs nicht einfach umzusetzen ist, wurde darüber sowie über die damit in Zusammenhang stehenden Probleme und Möglichkeiten, auf einem ersten internationalen Workshop „Siegel des Deutschen Ordens“, der vom 13. bis 15. Oktober 2017 an der Forschungsstelle Deutscher Orden stattgefunden hat, beratschlagt.

Ergebnisse:

Aufbau einer eigenen Datenbank mit den Grundinformationen, die von mehreren Forschern einfließen sollen.

„Der Mythos des Ordens fasziniert“
Udo Glatthaar, Helmut Flachenecker
Oberbürgermeister Udo Glatthaar erhielt das erste Exemplar der „Veröffentlichungen der Forschungsstelle Deutscher Orden an der Universität Würzburg“ von Prof. Dr. Helmut Flachenecker (rechts) überreicht. Bild: Joachim W. Ilg

Symposion im Deutschordensmuseum: Historiker präsentieren Forschungsergebnisse über den Deutschen Orden in Franken und Mergentheim

Markante Kapitel aus der Geschichte des Deutschen Ordens in Franken und Mergentheim standen im Mittelpunkt eines Symposions im Deutschordensmuseum.

Von Joachim W. Ilg / Bad Mergentheim

Seit Anfang dieses Jahres, das in Bad Mergentheim im Zeichen der Heimattage steht, begleiten wir in einer Serie Stadtführer zu ihren Lieblingsorten. Dabei ist immer wieder zu erfahren, dass es so gut wie keinen Lieblingsort gibt, der nicht direkt oder indirekt mit dem Deutschen Orden zusammenhängt. Ob das nun das Alte Rathaus, der Wartturm oder gar die Kanalisation ist, der Orden war stadtprägend und ist heute noch im Stadtbild gegenwärtig. Am deutlichsten kommt diese historische Verbundenheit im Deutschordensmuseum zum Ausdruck, das den passenden Rahmen für ein Symposion über den Deutschen Orden bildete.
Veranstaltet wurde die Tagung von der Forschungsstelle Deutscher Orden an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Dank des Engagements von Prof. Dr. Dieter Salch wurde die Einrichtung, die dem Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte angegliedert ist, 2014 offiziell eingeweiht. Von Anfang an war vorgesehen, dass die Forschungsstelle und das Deutschordensmuseum miteinander kooperieren, was nun durch das Symposion im Roten Saal eindrucksvoll zum Ausdruck kam. Im Bereich des Roten Saals befanden sich früher die Räume des Ordenskanzlers. Später, im 20. Jahrhundert, hatte dort eine Nähfabrik ihren Betrieb aufgenommen. Allein an diesem kleinen Beispiel lässt sich erahnen, welch wechselvolle Geschichte Orden und Stadt  erlebt haben.
Der Wissenschaftliche Leiter der für Deutschland zentralen Forschungsstelle, Prof. Dr. Helmut Flachenecker, der zugleich Inhaber des Lehrstuhls für Fränkische Landesgeschichte ist, sah in dem Symposion ein Zeichen für die gute Zusammenarbeit  zwischen Würzburg und Bad Mergentheim.

Maike Trentin-Meyer, Direktorin des Deutschordensmuseums, betonte, „dass der Mythos des Deutschen Ordens immer noch wirkt und fasziniert.“ Wissenschaftlich aufbereitete Informationen seien aber notwendig, „damit sich die Verherrlichungen des ideologisch verursachten Missbrauchs der Ordensgeschichte seit dem 19. Jahrhundert nicht länger verbreiten können und relativiert werden“.
Die folgenden drei Vorträge spannten einen weiten Bogen von den Anfängen des Deutschen Ordens bis hinein in seine heutige Gegenwart.
Über die „Entstehung und Geschichte der Kommenden Würzburg und Mergentheim“ berichtete Prof. Dr. Dieter Salch, gebürtiger Mergentheimer und Mitglied des Museums-Aufsichtsrats. Auch ohne Manuskript breitet er mit einer fast grenzenlos erscheinenden Fülle an Fakten, Daten, Namen und Hintergründen die Geschichte des Ordens aus, der auch in Mergentheim ansässig wurde, als ihm drei Brüder des Hauses Hohenlohe 1219 Burgen und Besitzungen schenkten.
Ausführlich erläuterte Prof.  Dr. Helmut Flachenecker  „Die Beziehungen zwischen dem Deutschmeistertum und dem fränkischen Landkomturat im Mittlelalter“ und ging dabei auch detailreich auf die Rivalität zwischen den Machtinstanzen Landkomtur, Deutschmeister und Hochmeister ein.

Ende und Neubeginn
„Ende und Neubeginn. Der Deutsche Orden in Franken
vom Ende des 18. Jahrhunderts bis heute“ . So war der Vortrag von Prof. Dr. Udo Arnold überschrieben, der einen Großteil seines langen wissenschaftlichen Lebens in die Erforschung und Dokumentation der Ordensgeschichte gesteckt hat. Wie er ausführte, brachten die Kriege im Zuge der Französischen Revolution den Orden in erhebliche Schwierigkeiten. Letztlich fielen die Ordensbesitzungen den mit Napoleon verbündeten Nachbarn Bayern, Württemberg und Baden zum Opfer, da Napoleon 1809 den Orden für aufgelöst erklärte. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einen Neuanfang. Aus der Tschechoslowakei vertriebene oder geflüchtete Ordensschwestern siedelten sich in Franken an, mit dem Schwerpunkt in Bad Mergentheim: Im Caritas-Krankenhaus wirkten teilweise über 50 Schwestern. Der allgemeine Nachwuchsmangel verschonte auch die Ordensschwestern nicht, so dass es in Franken heute nur noch wenige gibt. Stattdessen ist nach dem Krieg die Laiengruppe des Ordens, die Familiaren, stark angewachsen. Ihre Komturei Franken hat heute über 50 Mitglieder, berichtete Arnold.
Als die Forschungsstelle 2014 eröffnet worden war, wurde ein Symposion mit dem etwas umständlich klingenden Titel „Ritter, Verwalter und Repräsentanten – Priester und Seelsorger: Burgen, Residenzen und Kirchen des Deutschen Ordens“ veranstaltet. Die damals gehaltenen Vorträge wurden in einem Buch mit dem gleichnamigen Titel zusammengefasst, das vom Herausgeber Helmut Flachenecker  jetzt vorgestellt wurde. Es ist der erste Band der „Veröffentlichungen der Forschungsstelle Deutscher Orden an der Universität Würzburg“.
Mit vielen Bildern ausgestattet, zeigt das Buch die Burgen des Ordens im Mittelmeerraum, den Hochmeisterpalast der Marienburg in Preußen und die Burgen in Livland, um sich dann der Ballei Franken und ihren Zentralen Mergentheim und Ellingen zuzuwenden. Über die Baugeschichte der Mergentheimer Residenz berichtet Maike Trentin-Meyer. Abschließend wird die Entstehung der Komturei in Würzburg thematisiert.
Fazit: Die Fülle an Fakten hat am Freitagnachmittag das Publikum sicherlich „erschlagen“. Wenn die Tagung aber dazu angeregt hat, über die Geschichte des Deutschen Ordens nachzudenken und manches differenzierter zu sehen, dann hat sie das Ziel aus Sicht der Veranstalter sicherlich erreicht.

Zeitungsartikel zur Veranstaltung

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